Kostenlose Probetexte - Willst du das wirklich?

Eine ganze Weile hatte ich Ruhe davor, aber nun kamen innerhalb von wenigen Tagen gleich zwei Anfragen nach kostenlosen Leseproben. Der erste, anfangs noch potentielle Kunde hatte mich über skype kontaktiert. Es ging ewig hin und her, ob ich denn für Motorradreisen schreiben könne, welche Kosten entstehen für Pressetexte usw.

Ich habe ihn auf Homepagetexte verwiesen, die ich für die Reisebranche geschrieben habe und ihm andere passende Referenztexte per Mail geschickt. Er konnte also einen guten Eindruck gewinnen, wie ich schreibe.

Außerdem habe ich ihm erläutert, dass ich als Texterin meine Kenntnisse über das Texten einbringe und er als Kunde seine Kenntnisse über sein Angebot. So kann ich über fast jedes Thema schreiben, wenn das Briefing gut ist. Manchmal auch, wenn das Briefing nicht so gut ist, aber das ist ein anderes Thema.

Doch dann endlich rückte er damit heraus, was er wohl  von Anfang an im Sinn hatte. Ich solle für eine ganz spezielle Reise auf seiner Homepage einen Probetext schreiben. Danach würde er dann entscheiden, ob ich den Auftrag für die Pressetexte bekäme. Haha.

Den kostenlosen Probetext habe ich mit der Begründung abgelehnt, dass er sich an meinen Referenztexten orientieren solle. Und scherzhaft: Er würde seine Kunden auch nicht auf einen kostenlosen Probetag zu einer Motorradtour mitnehmen.

Aber Menschen wie er verstehen keinen Spaß. Dafür ist das Leben zu schwer und zu ungerecht, sind die Mitmenschen zu böse und überhaupt war früher alles besser.

Er meinte dann, dass seine Branche ja sooooo speziell wäre, und dass er schon soooo schlechte Erfahrung gemacht habe… blablabla… Klar macht man schlechte Erfahrungen, wenn man sich Texter sucht, die es nötig haben, kostenlose Probetexte zu erstellen! Ich bin meist ein, zwei Wochen im Voraus ausgebucht. Da setze ich mich doch nicht ein, zwei Stunden hin, schreibe für lau und lasse meine richtigen Kunden warten.  

Auch euch kann ich aus eigener Erfahrung nur dazu raten, auf solche Schnorrer nicht hereinzufallen. Die halten sich für die einzigen Experten für Ihr Angebot und würden eh am liebsten die Texte selber schreiben. Sie verfügen auch nicht über ein Urteilsvermögen, das es ihnen erlaubt, deine Arbeit zu bewerten und zu schätzen.

Doch solltet ihr solche Menschen als Kunden gewinnen, dann ist die Zusammenarbeit äußerst anstrengend. Sie vertrauen dir einfach nicht. Sie vertrauen keinem und wollen darum auch nur marginal mehr als nichts bezahlen.  Die freuen sich über den kostenlosen Text, sobald es aber ans Bezahlen geht, treten Geiz und Misstrauen zu Tage. Zugleich saugen sie dich aus, zögern und zaudern, belatschern dich ewig mit unwichtigen Details und werden mit deiner Arbeit nie so richtig zufrieden sein.

Dass es auch anders geht, beweisen mir immer wieder solche Kunden, für die es überhaupt keine Frage ist, dass sie Probetexte bezahlen. Ich gehe ja auch nicht ins Steakhaus und frage, ob ich mal eben abbeißen darf. Und das, obwohl ich durchaus schon einige zähe Steaks auf dem Teller hatte.

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Die Blognotiz Kostenlose Probetexte - Willst du das wirklich? wurde verfasst und auf texter.me veröffentlicht von .

Kommentare 

 
#3 g.c.roth 2009-12-13 23:21
Das passiert immer wieder, kenne ich auch. Oft genug wird sogar gleich nach mehreren Probetexten gefragt, die angeblich dafür sorgen, dass man sich ja einen guten Namen damit machen könne ...
Vielleicht sollte man das nächste Mal eine Probebezahlung vorschlagen ... :D
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#2 Christian 2009-12-07 02:18
Kann ich so unterschreiben @Holger. Passend dazu auch das Video hier, das die meisten sicherlich schon kennen: http://www.texter.me/community/videos/webdesign-kunden-im-alltaeglichen-leben

Hatte neulich mal eine Kundin, die war derartig misstrauisch, dass ich sie dann gefragt habe, ob sie schlechte Erfahrungen gemacht hat. Besonders witzig ist so etwas immer, wenn es für einen nur um Peanuts geht. Ich sollte eine Vertraulichkeit serklärung unterschreiben, was ich ja auch anbiete, aber für eine popelige Bachelorarbeit? Danach alle Daten wieder löschen etc.

Ja, auf solche Kunden kann man getrost verzichten. Bei größeren Aufträgen ist das ja okay, da kann man auch mal pitchen, aber wegen ein paar kleiner Texte muss man doch nicht so einen Aufriss veranstalten.
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#1 Holger Schossig 2009-12-06 21:48
Treffender kann man es nicht mehr schreiben! Bravo!
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