Schlechter Tag heute, aber als Ausgleich ein Blogpost, mit einem kleinen Marketing-Tipp, der auch auf das Texter-Business angewandt werden kann.
Ich habe hier vor der Haustür in der Straße zwischen fünf und zehn „Spätis“, wie der Berliner sie liebevoll nennt, Kioske, die oft rund um die Tür geöffnet sind. Direkt neben der Haustür ein Asiat, ein Familienladen, der zwar nicht ganz so lange aufhat, dafür aber Tetra-Pak-Milchreis für zwei Euronen führt.
Zehn Meter weiter kommt ein Spätkauf mit einem deutschen Inhaber, eine Rarität in Berlin, hin und wieder kaufe ich da ein, weil man muss ja auch das einheimische Gewerbe unterstützen, ne.
Um den dritten Laden geht es, türkischer Inhaber, deutsch-türkische Verkäuferin. Die fragte mich nämlich neulich, als ich Tabak kaufte: „Papers dazu?“ Papers sind diese Zigarettendrehpapiere, für die Nichtraucher unter Euch. Papers, nerviges Wort, besonders wenn man die Marke „OCB“ bevorzugt. Einmal den und den Tabak und „OCB-Papers“ bitte, danke. Da bricht man sich doch die Zunge.
Ich bin manchmal sprechfaul. „Papers dazu?“, ein Segen in dem Moment, ich hatte zwar noch ein paar, hätte mir aber eh bald neue kaufen müssen. Jedenfalls fiel mir dabei auf, dass nur wenige Verkäufer einem etwas Zusätzliches beim Kaufen anbieten, zumindest die Verkäufer der zwei anderen Spätis haben das noch nie getan. Die meisten Verkäufer sind genervt und wollen schnell wieder ihre Ruhe. Kenne ich gut und kann ich auch nachvollziehen, stand selbst schon hinter dem Tresen. Krieg wider den nervigen Kunden, der sich für den König hält, und wider den Chef, der einen zwingen will, immer freundlich zu sein.
Ökonomisch gesehen ist „Papers dazu?“ fast win-win, denn ich spare anstrengende zungenfremde Wörter, sprachökonomisch betrachtet, ich spare kognitive Kapazität, denn ich muss mich nur entscheiden, ob ja oder nein, nicht im Kopf kramen, wie die Marke heißt, ob ich wirklich noch was brauche usw. Na ja, und der Verkäufer verdient auch mehr.
In Online-Shops ist das ja eigentlich Standard, die Anzeige ähnlicher Produkte, Amazon ist hier sicher einer der Vorreiter gewesen. „Kunden, die dasselbe kauften wie Sie, kauften auch …“ – kennt doch jeder, ich zumindest nutze das auch sehr häufig und lasse mich sicher oft zu weiteren Käufen animieren.
Wichtig ist auch, dass etwas Konkretes angeboten wird. „Darf's noch 'was sein“, das verursacht nur Denkanstrengung und ist nicht ganz so effektiv, „Darf's ein bisschen mehr sein?“ ist schon besser – „Papers dazu?“, das ist angenehm, nur ja oder nein, die Entscheidung treffe ich als Käufer schnell.
Auf Websites erhöht die Einblendung relevanter weiterer Artikel die Impressionen, die User verweilen länger auf der Seite. Das darf natürlich nicht ausufern, sonst bleibt der Besucher so orientierungslos wie vor seinem Besuch. Ich würde mal sagen, dass jede Option mehr einen erhöhten kognitiven Aufwand beim User nach sich zieht, keep it also simple.
Wie kann man das als Texter nutzen, von der eigenen Website abgesehen? Bietet Ihr Euren Kunden bewusst zusätzliche Leistungen an, etwa zu einem vergünstigten Preis, nachdem Sie bereits etwas „gekauft“ haben?
Über den Texter
Die Blognotiz Kaufanreize setzen wurde verfasst und auf texter.me veröffentlicht von Christian (Online-Redakteur, Affiliate und Unternehmer).
Besuche auch die Website von Christian: http://www.texter.me



Kommentare
Grundlegend kann man niemand zu etwas kaufen zwingen oder "irgendwie" verleiten!
Das hört sich ja wie Magie an, Hokuspokus kauf mich...!
Ich schätze noch die aufrichtige Art, mit dem Kunden anstatt über ihn hinweg!
Bedeutet, dass man natürlich schaut was jemand möchte und brauchen kann und das dann anbietet, wie Holger es gesagt hat!
Moralisch gesehen halte ich es zwar für sinnvoller, die Leute zum Denken zu bringen, aber wenn es um Verkauf geht und auch um Dienstleistunge n, dann sehe ich es auch als Service an, die Komplexität zu reduzieren.
Der Großteil der Konsumenten verhält sich unbewusst oder auch unkonzentriert. Die Konzentration liegt dabei bei irgendwelche anderen Dingen, die er gerade tut. Wenn man ihn trotzdem erreichen will, muss man ihn ein bisschen "archaischer" ansprechen, oder so, als sei er ein Kind. Dabei helfen vor allem Bilder, aussagekräftige Headlines, lesbare und kurze Sätze etc.
Aber zu diesen Dingen kann Markus der Psychologe bestimmt etwas mehr sagen, Wirtschaftspsyc hologie ist auch ein sehr interessantes Fachgebiet und sehr grundlegend für die Tätigkeit als Werbetexter.
Diesen Spruch sollte man sich merken, denn er gilt nicht nur in Zusammenhang mit Web Usability. Er gilt auch für den täglichen Umgang mit Kunden und anderen Menschen.
Bevor ich den Spruch kannte, habe ich mich immer gewundert, wenn ich von Stammkunden gefragt wurde: "Texten Sie eigentlich auch...?" Ja, klar! Ich texte fast alles. Steht doch alles auf meiner Homepage! Und die ist von jeder Mail nur einen Klick entfernt.
Irgendwann habe ich dann damit begonnen, im Footer meiner Mails oder auf den Rechnungen Angebote zu platzieren. Und trotz "Don't make me think" wundere ich mich immer noch darüber, wie oft ich auf diese Angebote angesprochen werde und wie viele Kunden stumm nicken, wenn ich im übertragenen Sinne frage: "Papers dazu?"
Als Texterin @Gabi wirst Du sicher auch öfter Texte schreiben, die Handlungsauffor derungen enthalten bzw. Angebote, lässt sich also auch in den Texten direkt anwenden, nicht nur auf die Kunden. Letztendlich ist ja auch eine Frage, wie ich sie hier im Beitrag gestellt habe, eine Handlungsauffor derung.