Forensoziologie: So fällt Dir der Zugang in Online-Communities leichter
Bettina hat das Thema ja bereits angeschnitten: Ein Neuzugang hat es hier im Forum nicht leicht. Meine Idee, eine Art "Anleitung" für erleichterten Zugang in ein Forum zu schreiben, fand Ursula zwar nicht ganz so sinnvoll, ich möchte an dieser Stelle trotzdem ein paar Gedanken dazu äußern und Tipps geben.
Ursula ist laut Kommentar der Meinung, dass jemand, der sich Anleitungen und Kompetenz für das Thema anlese, doch darüber hinwegtäuschen könne, dass und ob er soziale Kompetenz besitze.
Das mag zum Teil stimmen. Soziale Kompetenz bekommt man nur leider nicht mit in die Wiege gelegt. Kaum einer hat sich seine Familie aussuchen dürfen, keiner konnte sagen: Ich möchte in eine Familie, die Wert auf Soziales legt, es bewusst reflektiert, Techniken lehrt und Kinder abseits von Konformität, die sich dennoch gut integrieren, erzieht.
Meine Mutter zum Beispiel ist Sozialpädagogin, in der DDR geschult, ich bin super aufgewachsen und mir mangelte es an wenig. Trotzdem hatte ich später Probleme, soziale Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Warum? Weil ich selten bewusst das Handwerk dahinter erlernt habe, weil das Familienleben und die Kindheit einfach nicht ausreichten für die große weite Welt. Als ich anfing, das Thema näher zu reflektieren, Verhalten zu beobachten, zu bewerten und zu ändern, lösten sich viele Probleme in Luft auf.
Verhalten ist auch der entscheidende Punkt, wenn es um Aufnahme in Online-Communities geht. Was Verhalten denn nun im Kern ist, will ich hier jetzt nicht weiter philosophieren, nur einige Anhaltspunkte für Dinge, die Du optimieren kannst, damit Du mit Deinem Verhalten Deine Ziele erreichst, z.B. die Aufnahme in einer Community wie texter.me.
Ich werfe mal einige Stichworte in den Raum, auf die ich teils näher eingehen möchte: Konventionen, Verhalten, Konkurrenz, Status, Stammesgeschichte, Rollenverhalten, Angst, Humor, Tabu, füttern und gefüttert werden.
Jede Community hat Konventionen, also Vereinbarungen, die meist nicht niedergeschrieben sind, die aber das Leben innerhalb der Community enorm vereinfachen. Den gleichen Effekt erzeugen auch Regeln. Konventionen musst Du erspüren. Online geht das gut, lies einfach eine Weile in einem Forum mit und Dir wird klar werden, welches Verhalten erwünscht, welches unerwünscht ist. Lies Dir natürlich die Regeln durch, die fast jede Community besitzt und halte Dich daran.
Regeln solltest Du fast nie brechen. Wenn Dir die Regeln nicht passen, dann suche Dir eine andere Community. Konventionen kannst und musst Du sogar hin und wieder brechen, das kommt ganz auf die Community an und den Kontext.
Tipp Nr. 1: Bevor Du Dich integrieren möchtest, informiere Dich als teilnahmeloser Zuschauer. Lies mit, lerne die einzelnen Mitglieder kennen, erspüre das Klima innerhalb der Community. Entscheide, ob Dich die Community überhaupt verdient hat. Oder umgekehrt.
Du hast doch sicher schon einen festen Job gehabt, oder arbeitest sogar momentan in einem. Kannst Du Dich noch an den ersten Arbeitstag erinnern? Alle sind so oberflächlich freundlich, jeder mustert Dich und versucht, Dich einzuschätzen, hinter Deinem Rücken redet man über Dich, den Neuen oder die Neue?
Versetze Dich doch einmal in die andere Seite. Du dringst in ein festes Gefüge ein, in dem der Status eines jeden klar ist, in dem eine Rangordnung besteht. Gehe noch einen Schritt zurück: Stell Dir vor, dass unsere Gehirne noch gar nicht wirklich an die Gegenwart und Zivilisation angepasst sind. Stelle Dir vor, wir wären noch halbe Affen, die in Stämmen leben, für die jeder Fremde eine Gefahr darstellt, die das eigene Leben und das Stammesleben bedrohen könnte.
Ab in den Kochtopf mit Dir! Wünschen die neuen Kollegen ganz unterbewusst - sie können doch auch nichts dafür, diese Impulse sind seit tausenden Jahren in uns und präsent wie eh und je.
Wie aber machst Du nun einer bestehenden Community, einem Stamm von Halbaffen :D, klar, dass Du keine Bedrohung darstellst sondern eher eine Bereicherung? Das bleibt Deiner Kreativität überlassen: Versuche, sie zu entwaffnen, vielleicht mit einer Prise Humor, zeige Dich als jemand, der keine Konkurrenz darstellt, der nicht Bananen klauen will, sondern Bananen dabei hat und teilen möchte. Gleichzeitig kannst Du Stück für Stück Deinen bisherigen Status demonstrieren, etwa als Texter-Profi, und zeigen, wer und was Du bist.
Tipp Nr. 2: Nutze die Vorstellungthreads in Foren und stelle Dich höflich und ggf. konventionell vor. In Deinem ersten Posting kannst Du viel zeigen und demonstrieren, halte es aber besser spontan und denke nicht stundenlang über den passenden Text nach. Gib Dich so, wie Du bist, das funktioniert doch auch offline am besten. Und wenn Du gleich im ersten Posting angegriffen wirst: Vergib der Community, alle haben doch nur Angst um ihren Status, und entwaffne sie einfach. Nicht gleich heulen und wegrennen und aufgeben, ein erster Angriff ist auch die erste Prüfung, die Du bestehen musst, ein Shit-Test.
Tipp Nr. 3: Fülle Dein Profil aus. Auch hier kannst Du sanft Deinen Status demonstrieren und nimmst den Mitgliedern gleichzeitig etwas der unbewussten Angst vor dem Fremden. Du möchtest doch auch gerne wissen, mit wem Du es zu tun hast. Nutze ein Profilbild! Und sorge dafür, dass andere sich darüber informieren können, wer Du bist.
Tipp Nr. 4: Gleich wie wild drauf loszuposten und zu allem seinen Senf hinzuzugeben, das kommt nicht immer so gut an. Vermeide es daher, wenn Du nicht einer dieser Hier-bin-ich-Charaktere bist. Anstatt Fragen zu stellen, versuche lieber, anderen zu helfen und Deine Bananen zu verteilen, damit die Community weiß, dass sie Dich nicht nur mitschleifen muss.
So, das sollte an Hinweisen doch erst einmal reichen, habt Ihr noch Tipps, die Ihr Neuankömmlingen mit auf den Weg geben könnt?
Über den Texter
Die Blognotiz Forensoziologie: So fällt Dir der Zugang in Online-Communities leichter wurde verfasst und auf texter.me veröffentlicht von Christian (Online-Redakteur, Affiliate und Unternehmer).
Besuche auch die Website von Christian: http://www.texter.me



Kommentare
Verhalten im Stammhirn... ähm ja naja wir kontrollieren uns immer noch selber, lassen wir das mit dem Stammhirn einfach mal!
Sozial gesehen ist es für mich weniger eine Hierarchie, sondern Rollen!
Die aber von uns nur etwas möchten, die müssen wir nicht akzeptieren! So ist meine Meinung.
Reptiliengehirn und Sozialgefüge hin oder her.
Ich finde es oft schade, wenn man von Mitgliedern, die ein durchaus interessantes Profil (HP, Blog usw.) nie etwas liest!
Aber vielleicht wollen die auch nur mitlesen … und es hat gar nichts mit Trauen zu tun.
Und wenn es wirklich daran läge, würde ich mich per PM an jemanden wenden, der mir sympathisch rüberkommt – natürlich nicht überfallsartig!
Habe ich (zwar aus einem anderen Grund) ziemlich am Anfang gemacht – Volltreffer (Danke!)!
Oder einfach einmal ein paar ehrliche „Gefällt-mir“ oder „Danke“ verteilen …
Die eigene Meinung ist das Maß aller Dinge und wenn diese Personen auf Widerstand treffen, sind alle anderen dumm, ignorant oder andere, unschöne Dinge
Viel zu häufig finden sich Zeitgenossen in Gemeinschaften ein, die direkt auf Konfrontationsk urs gehen, weil sie sich für den Nabel der Welt halten. Das soetwas nicht funktionieren kann, liegt auf der Hand. Der ganz normale Umgang, wie man ihn auch im "echten" Leben pflegt, führt in der Regel auch zur Akzeptanz. Wer würde schon als "Neuer" auf eine Party gehen und sich zunächst einmal damit beschäftigen, einzelnen Anwesenden eine vor den Latz zu knallen? Hier ist bereits klar, dass man ausgeschlossen, ja geradezu verdrängt wird.
Das schmälert den Wert deines Leitfadens nicht, ich betrachte diese Logik allerdings einfach als selbstverständl ich.
Schüchternheit resultiert auch aus der Angst vor Ablehnung, und kann im Netz genauso auftreten, denke ich, und Interaktion verhindern, obwohl sie eigentlich gewünscht ist und die beneidet werden, die eher "locker" sind.
Schüchterne und Unsichere sind halt meist die Schauspieler, sie versuchen die Unsicherheit zu kaschieren, was meist nicht gelingt, wie Du sagst. Eine Rolle spielt man trotzdem meist. Das heißt auch, dass man eingeübte Verhaltensmuste r bzw. -strategien anwendet, von denen man erwartet, dass sie zu Erfolg führen (Akzeptanz usw.).
Ich bin wie ich bin. Damit ecke ich öfter mal an, trete manchen auf den Schlips, aber dennoch fühle ich mich akzeptiert. Warum? Weil ich mir selbst treu bleibe. Sobald Schauspielerei ins Spiel kommt, geht die Authentizität verloren und das rächt sich früher oder später, denn in diesem Fall muss man stets überlegen, wen man darstellt.
Unabhängig davon sollten allerdings vernünftige Umgangsformen vorhanden sein, die entsprechende Personen bereits in ihrem Umfeld gelernt haben (sollten).
Es geht darum, Zugang zu finden und aufgenommen zu werden. Gibt viele da draußen, die trauen sich einfach nicht und sind schüchtern, obwohl sie gerne würden und sicher bereichernd wären.
Verhalten ist halt immer irgendwie oberflächlich, aber es ist auch nur Verhalten. Und wenn es kongruent ist, also auch wirklich das Innen wiedergibt, dann ist doch alles schön. Auch die Konventionen und Gesetze sind oft oberflächlich, geradezu willkürlich.
Das mit dem Status ist z.B. auch leicht falsch zu verstehen. Aber ich persönlich empfinde das nicht als problematisch, sondern als Herausforderung und Teil des Spiels Leben. Status entlastet unser Zusammenleben doch sehr, wenn er nicht auf Unterdrückung, Kriecherei etc. basiert. Ein jeder weiß, was er vom anderen erwarten kann und was die anderen von ihm erwarten, wie praktisch.
Aber im Ernst.
Ich kann Ursulas Aussage verstehen. Oberflächlich "mal" toll dazustehen, nützt langfristig nichts. Einstudierte Schritte täuschen nur für einen Moment über mangelnde Fähigkeiten zur sozialen Interaktion hinweg.
Andererseits ist auch Christians letzter Kommentar nachvollziehbar , wenngleich ich Persönlichkeits entwicklung eher im konkreten Leben ansiedele als in "Schulen für Sozialkompetenz ".
Ich glaube, es wird stets hoffnungslose Fälle geben. Wie man sich diesen Menschen gegenüber verhalten soll, ist die größere Frage. Ich verteile auch dort gerne ab und an ein paar Bananen.
Ja, hier ist es wahrlich nicht so schwer, gibt aber trotzdem sicher einige, die sich nicht so recht trauen. (Die stehen auch offline mehr am Rande, würden aber gern.)
Bei großen XING-Gruppen z.B. sieht das schon wieder anders aus, da geht es auch um Reputation und Geld, da kann es sich auszahlen, wenn man etwas geplanter rangeht und die Muster ein wenig versteht.
Falls Jane und er nicht einen zu viel in der Liane haben,
bringt Tarzan dir die Bananen vorbei!
Diejenigen dagegen, die keine Bananen dabei hatten, haben wir schnell entlarvt und sahen sie nie wieder.
Deshalb meine ich, dass - obwohl sehr schön getextet - solche Tipps nur am Rande helfen. Der Inhalt bestätigt die mit den Bananen und wird von denen ohne Bananen eh ignoriert.
Deshalb finde ich auch den Nutzen von Bewerbungstrain ings oder Flirtschulen zweifelhaft. Überspitzt gesagt wird 'ne Lusche für DEN einen großen Auftritt programmiert und enttäuscht dann im täglichen Gebrauch.
Btw. Neben mir liegen zwei Bananen. Wir will?
Im Gegensatz zu den Äffchen können wir sie aber bewusst machen, reflektieren und verstehen, was ganz hilfreich sein kann, wenn es (noch) an Sozialkompetenz mangelt bzw. man die falschen Strategien anwendet.
Uuuu uuuu aaaaaa iiiiii